Steve Ballmer, Stephen Elop

Steve Ballmer, Stephen Elop, Foto: Nokia

Ich will ja nicht sagen: „Ich wusste es!“. Aber ich wusste es. Siehe meine Ausführungen in ZEIT Online von vor gut einem Jahr. Microsoft kauft Nokia, jetzt ist die Katze endlich aus dem Sack. Seit seinem Amtsantritt hat der ehemalige Microsoft-Manager und jetzige Nokia-Chef Stephen Elop so verhalten, als sei sein Auftrag, den Aktienkurs von Nokia niederzumachen, damit Microsoft den Laden irgendwann „billig“ kaufen kann. Gut, 3,79 Milliarden Euro sind kein Pappenstiel. Aber noch vor fünf Jahren wäre der Spaß fünfmal so teuer gewesen, zu Spitzenzeiten lag die Aktie ja um die 65 statt wie heute unter 5 Euro. Der Preis der Nokia-Aktie sank allein in der Elop-Ära von über zwischenzeitlich mehr als acht auf teilweise um die 1,50 Euro. Die Patente sollen indes bei Nokia verbleiben, weshalb weitere 1,65 Milliarden Euro an Lizenzgebühren für die nächsten zehn Jahre vereinbart wurden.

Auch Microsoft hat in dieser Posse seine Rolle ausgereizt. Dass beispielsweise kurz vor dem Start des Nokia Lumia 900 mit Windows Phone 7.5 bekannt wurde, es werde bald ein neues Windows Phone 8 geben, welches aber nicht abwärtskompatibel sein wird, kam dies einem heimtückischen Todesstoß gleich. Denn wer kauft bitteschön ein neues Smartphone für seinerzeit knapp 500 Euro, wenn dieses wenige Monate später schon zum alten Eisen gehört? Seither war ich mir sicher: Der Tag wird kommen. Nun ist der da. Zufällig kurz nach der Ankündigung, Microsoft-Boos Steve Ballmer werde abtreten.

Als dritter Akt wird nun wohl die Krönung des neuen Königs auf dem Programm stehen. Und wer wird da als heißer Favorit gehandelt? Haargenau: Stephen Elop! Der verlorene Sohn kehrt heim, Papa kann beruhigt in Rente gehen, Junior kümmert sich ab jetzt um alles. Au weia! Anscheinend sieht das so auch die Börse, denn während die Nokia-Aktie nach Bekanntgabe des Deals von 3,40 auf zeitweise über 4,30 Euro kletterte, sackte das Microsoft-Papier von 26,05 auf mitunter 25,45 Euro (Quelle: finanzen.net).

Sollte Elop tatsächlich ans Redmond-Ruder gelassen werden, bange ich um die Zukunft von Microsoft. Denn bei Nokia blieb aus meiner Sicht einzig der Brandbrief zu seinem Amtsantritt bemerkenswert, der, in dem er das Unternehmen mit einer brennenden Plattform verglich. Um dann Nokia voll und ganz Windows Phone zu verschreiben und Android zu ignorieren. Und die zum Verkauf stehende, brillante Plattform WebOS von HP gleich dazu. Ob jemand, der Nokia nicht aus der Krise geführt hat, der Richtige ist, um Microsoft aus der Krise zu führen, darf zumindest bezweifelt werden.

Natürlich kann ich mich auch irren. Doch wäre ich Microsoft-Aufsichtsrat, ich wäre ungemein gespannt zu erfahren, welche Pläne Mr. Elop für die Zukunft des Unternehmens hat. Natürlich insbesondere mit Hinblick auf den Mobilmarkt. Mit der Übernahme sind Android & Co. selbstredend endgültig vom Tisch, doch hat Microsoft tatsächlich die Mittel, Fähigkeit und vor allem die Visionen, um das neue Apple zu werden? Eine Plattform, ein Hersteller, eine treibende Kraft? Mit welchen Mitteln will man die derzeit noch haushohe Überlegenheit der Ökosysteme von iOS und Android minimieren? Oder wettmachen? Die Nutzeroberfläche von Windows Phone ist brillant: einfach, intuitiv, modern. War sie schon immer. Doch das nutzt alles nichts, wenn die Kunden nicht das Ökosystem wechseln, weil sie die für sie persönlich entscheidenden Apps noch nicht auf Windows Phone vorfinden. Und weil dies für jeden andere Apps sind, kommt es zum Teil eben doch auch auf die Quantität des Software-Stores an, nicht nur auf die Qualität der vorhandenen Programme. Wie lange wird es wohl noch dauern, ehe man jemandem raten kann, nach der Hardware zu entscheiden, weil die Apps auf allen Plattformen so gut wie gleich sind? Oder präziser gefragt: Wie lange kann Microsoft noch durchhalten?

In einem Agententhriller etwa von Robert Ludlum wäre Elop wohl ein Doppelagent. Der die ganze Zeit über insgeheim auf der Gehaltsliste von Google stand und nun Microsoft in die Arme von Sergey Brin und Larry Page treibt. Doch nein! Ein Robert Ludlum hätte schon den bisherigen Plot verworfen, wie Elop ihn geliefert hat, da würde er sich im Grabe herumdrehen: zu vorhersehbar!

Offizielle Mitteilung: microsoft.com

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