Quelle: Nokia

Nokia stellte am Mittwochabend sein neues Flaggschiff vor, das Lumia 920 mit Windows Phone 8. mobiwatch hatte Gelegenheit, das Gerät schon einmal auszuprobieren. Dabei erwies sich der Formfaktor als ähnlich ergonomisch wie das Lumia 800, die Oberfläche des 4,5 Zoll großen Touchscreens ist wiederum kissenförmig gewölbt und geht quasi nahtlos ins Unibody-Gehäuse über. Auch Dicke und Größe entsprechen grob den Vorgängern, das Gehäuse ist nun jedoch nicht mehr matt, sondern hochglänzend und glatt. Dadurch fühlt es sich nicht mehr ganz so handschmeichlerisch an wie das Lumia 800, eher wie das Samsung Galaxy S III. Der Bildschirm mit seinen 1280 x 768 Pixel ermöglicht eine scharfe, klare Darstellung, die Geschwindigkeit des Bildaufbaus soll Nachzieheffekte so gut wie eliminieren. Ein Demo-Video brachte das gut zur Geltung – aber das ist auch dessen Aufgabe. Da müssen die Tests abgewartet werden, aber der erste Eindruck ist ein guter.
Vor allem aber geht Nokia das größte Problem aller Touchphones an: die viel zu kurzen Akkulaufzeiten. Nicht, dass der 2000 mAh fassende, fest eingebaute Akku mehr leisten würde als seine Konkurrenten. Vielmehr hat Nokia dem Lumia 920 eine induktive Ladevorrichtung spendiert, die Kraftzelle tankt also nach, sobald das Telefon auf eine entsprechende Box oder Matte gelegt wird. Das ist nicht nur eine Frage des Komforts, sondern Nokia möchte zusammen mit Kooperationspartnern diese Ladestationen quasi allgegenwärtig machen: Auf dem Schreibtisch, am Sofa während man fernsieht, in Kaffeeshops, in den Lounges von Airlines – die ersten beiden Partner präsentierte Nokia auch sogleich mit Virgin Atlantic und Coffeebean & Tea Leaf. Ein Ansatz mit Potenzial, wäre ein Shop mit Handytanke doch ein echter Anreiz für alle Kunden mit Smartphone, ihren Boxenstopp dort und nicht bei der Konkurrenz einzulegen. Eine richtig gute Idee!
Die Kamera versieht Nokia zwar mit dem Zusatz PureView, allerdings hat das nichts mit dem 808 PureView und dessen Oversampling zu tun, bei dem aus 38 aufgenommenen 8 finale Megapixel werden. Vielmehr kommt ein BSI-Sensor für besseren Lichteinfall und vor allem ein optischer Bildstabilisator zum Einsatz, der erste bei einem Smartphone. Dieser stabilisiert das Gerät soweit, dass leichte Bewegungen der Hand kompensiert werden, also die für Handys typischen Verwackler bei Innen- oder Nachtaufnahmen deutlich minimiert wenn nicht gar gänzlich beseitigt werden. Bei ersten Tests am Veranstaltungsort erwies sich dies trotz nicht finaler Software als äußerst potentes Tool, bei sehr dunkler Szenerie und ohne Blitz hatte das S III keine Chance, während das Lumia 920 ein ordentlich scharfes Foto zustande brachte. Auch bei Videos ist der Bildstabilisator verfügbar, der durch ein in einer Flüssigkeit gelagertes Linsensystem erzielt wird. Funktioniert!
Zudem stellten die Finnen ein in die Kamerasoftware integriertes Augmented Reality-System namens City Lens dar, das allerdings nichts wirklich Neues liefert. Lediglich der intuitivere Start durch den mechanischen Auslöser statt per App hat etwas für sich. Spannender klingt da schon die Ankündigung, demnächst auch die Navigation per Augmented Reality zu ermöglichen, also über das Live-Bild im Sucher die Route einzublenden. Näheres ließ sich Nokia nicht entlocken, erst recht nicht, wann so etwas einmal serienreif sein könnte.
Beim Prozessor handelt es sich um einen Dual-Core-Snapdragon S4 von Qualcomm mit 1,5 Gigahertz. Der Speicher fasst 32 Gigabyte, ein Slot für Micro-SD-Karten fehlt allerdings weiterhin, dieser bleibt dem Lumia 820 mit 4,3 Zoll-Display und 8 Gigabyte internem Gedächtnis vorbehalten. Bei diesem Modell beträgt die Auflösung dann auch nur 840 x 480 Pixel und NFC sowie das induktive Laden des Akkus funktionieren nur über optionale Hüllen; das serienmäßige Cover weist keinerlei Funktionalität auf. Eine Hülle mit NFC und induktiver Ladung gleichzeitig fehlt, dies sei technisch nicht möglich gewesen, hieß es auf Nachfrage.
Beide Modelle unterstützen LTE, und zwar auch die in Europa verwendeten Frequenzen. Bei der Frage nach der Verfügbareit verweist Nokia auf Mirosoft, „noch in diesem Jahr“ heißt es lediglich. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass auch die beiden Lumias wie andere angekündigte Handys mit Windows Phone 8 kurz nach dem Marktstart von Windows 8 kommen werden, also etwa Anfang November. Auch zu den Preisen machte Nokia keinerlei Angaben.
Vor allem das Lumia 920 ist ein echter Kracher, die mit allen Qi-Ladegeräten kompatible Lösung zum kabellosen Auftanken quasi überall wäre ein Riesen-Pluspunkt. Auf den ersten Blick ließ sich bis auf den fest eingebauten Akku und den fehlenden Speicherkartenslot kein Haar in der Suppe finden, damit dürften Nokia und Microsoft Marktanteile wiedergutmachen können.

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4 Antworten auf Nokia stellt Lumia 920 und 820 vor, ein erster Test

  1. MrDeyny sagt:

    hm.. So tolle Smartphones – und dann mit Windows Phone 🙁

    Würden die mit Android laufen, würde ich mir den Kauf eines Nokia 820 sogar überlegen…

  2. chrashkid sagt:

    Da das Iphone warscheinlich früher erscheint, bleiben ja nicht mehr viele potentielle Käufer übrig.
    Weis man eigentlich schon etwas über Multitasking bei den neuen WP8 phones? Habe da noch nichts gehört.
    Für mich ein wichtiger Faktor. Ohne gescheites MT kauf ich keins.

  3. Ich bin ja mal gespannt.. 🙂 Danke für diese ersten Eindrücke von den neuen Nokias..

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