Ausstattung: Rechnet schneller als sein Schatten

Review of: HTC U Ultra
Test:
Lutz Herkner

Reviewed by:
Rating:
4
On 16. März 2017
Last modified:16. März 2017

Summary:

Das HTC U Ultra bietet mit 5,7-Zoll-Display, zweitem Touchscreen, Kamera mit 12 Millionen Ultrapixel, Top-Prozessor und Android 7 eine Menge. Der Test.

HTC U Ultra

Foto: mobiwatch

Display

Der Haupt-Bildschirm des HTC U Ultra misst 5,72 Zoll oder 145 Millimeter in der Diagonale – das ist selbst für heutige Verhältnisse üppig. Zumal die Anzeigefläche vollständig für die Inhalte zur Verfügung steht, weil es keiner Navigationsleiste am unteren Bildrand bedarf: Die Sensoren für „Home“, „Zurück“ und den Taskmanager haben die Taiwaner unterhalb des Touchscreens platziert. Erstere dient zudem als Fingerabdruck-Sensor.

Als Monitor verwendet HTC ein Dual-Domain-IPS-Panel, dessen Darstellungsqualität überzeugt. Die in der Mitte gemessene Helligkeit von 495 Candela pro Quadratmeter ist ordentlich, aber nicht top: 3 Prozent über dem aktuellen Mittel. Und auch das nur im „Sun Boost“-Modus, also bei aktivierter Displaybeleuchtungs-Automatik und in hellen Umgebungen wie etwa im Sonnenschein. Andernfalls dreht die Mattscheibe bis 418 Candela auf.

Die Auflösung beträgt wie beim Flaggschiff HTC 10 stramme 1440 x 2560. Damit kommt das U Ultra auf eine Schärfe von 408 Pixel pro Quadratmillimeter respektive 513 ppi – 53 Prozent mehr als der Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones.

Zweiter Touchscreen

Das Geld haben die Entwickler vielmehr in den zweiten Bildschirm oberhalb der Haupt-Mattscheibe investiert. Dieser kann auf Wunsch unabhängig vom 5,7-Zoll-Panel betrieben werden. Auf diese Weise muss nicht gleich der große Monitor aktiviert werden, wenn der Nutzer nur schnell prüfen möchte, wie spät es ist oder wann beispielsweise der nächste Termin stattfindet. Das Zweit-Panel aktiviert sich allerdings nicht gleich bei jedem Anheben des Telefons, sondern vielmehr erst beim Aufrichten. Das dürfte zwar regelmäßig miteinander einhergehen, doch sei hier explizit erklärt, dass sich kein Anwender wundern muss, wenn das Ultra dunkel bleibt nachdem man es auf dem Tisch liegend nur kurz bewegt hat. Das ist so von HTC gewollt. Bei deaktiviertem Erst-Panel zeigt die Mini-Mattscheibe nacheinander Infos, Apps wie etwa die Taschenlampe, Termine und die „Erinnerung“ an – mehr dazu im folgenden Hands-on-Video ab Minute 2:21:

Doch auch bei eingeschaltetem Haupt-Bildschirm erweist sich das Zweit-Display als überaus nützlich, lassen sich hier doch unter anderem auch VIP-Kontakte oder -Apps verankern. Auch das wird im obigen Video gezeigt, beginnend ab Minute 0:34. Mithin erntet das U Ultra nicht nur Zusatzpunkte bei der Ausstattung, sondern auch in der Handhabungswertung. Letztere fallen jedoch nur moderat aus, weil der Vorteil des Zusatz-Displays in der Praxis moderat bleibt: Erstens lässt es sich bei der Bedienung mit einer Hand so gut wie gar nicht erreichen, weil dafür das Primär-Panel des U Ultra zu groß ist. Und zweitens erweist sich der Zeitvorteil als bestenfalls moderat, weil der Anwender oftmals durch die sechs verschiedenen Ansichten wischen muss – das großen Display zu entsperren und den regulären Weg zu beschreiten dauert daher auch nicht (viel) länger.

Neu ist das Konzept des zweiten Touchscreens aber mitnichten, hierzulande hatte LG mit dem V10 vor einem guten Jahr das erste Smartphone mit Doppel-Display am Markt. Weshalb auch betont sei, dass die Zuweisung der Apps bei HTC ausschließlich über die Einstellungen erfolgen kann (siehe ebenfalls im obigen Video) und nicht wie bei LG per „drag & drop“ wie im folgenden Clip ab Minuten 0:33 demonstriert:

Prozessor

Als Herz steckt im U Ultra der Qualcomm Snapdragon 821, dessen vier “Kryo“-Kerne je zur Hälfte mit 2,0 und 2,15 Gigahertz getaktet sind. Unterstützt wird er vom Grafikmodul Adreno 530 sowie von 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Zusammen erreicht diese Kombi in der Gesamtwertung von mehr als 50 erfassten Einzelwerten aus 15 Benchmarks ein Ergebnis, das aktuell 148 Prozent über dem Durchschnitt rangiert. Das Ultra rechnet also 1,5-mal schneller als die Konkurrenz! Damit belegt der Proband Rang 3 der Tempo-Charts, nur noch iPhone 7 und iPhone 7 Plus sind schneller. Das HTC U Ultra geht richtig ab: Wer sichergehen will, möglichst viel PS unter der Haube zu haben, kann derzeit keinen besseren Androiden finden!

Akku

Der fest verbaute Akku fasst 3.000 Milliamperestunden und erzielt im Test bei der Videowiedergabe mit auf 200 Candela gedimmtem Display im Flugmodus eine Laufzeit von 494 Minuten. Damit liegt das U Ultra 3 Prozent unter dem Mittel: Genug für Normalnutzer, um durch den Tag zu kommen, aber zu knapp für Intensivnutzer, die sich darauf vorbereiten müssen, tagsüber zwischentanken zu müssen. Und gerade Letztere dürften bei diesem Preis und dieser Rechenleistung primäre Zielgruppe für das U Ultra sein! Da haben die Entwickler zu knapp kalkuliert: 3.000 Milliamperestunden sind einfach zu wenig für einen 5,7-Zöller, 13 Prozent zu wenig, um exakt zu sein – vom zweiten Display und dem Monster-Prozessor ganz zu schweigen. Das konnte nicht gutgehen.

Wer zu diesen Resultaten den Vergleichswert seines jetzigen Smartphones wissen möchte, findet im Folgenden die Ergebnisse aller bisher nach diesem Verfahren getesteten Mobiltelefone. Anhand des Unterschiedes lässt sich dann für das individuelle Nutzerverhalten vorhersagen, wie viel besser oder schlechter der Proband in der Praxis sein wird. Nicht auf die Minute exakt, aber jeder Nutzer bekommt eine gute Vorstellung davon, was dies für ihn persönlich in der Praxis bedeutet:

Ladezeiten

HTC liefert das U Ultra mit einem Netzteil aus, das bei 5 Volt 2,5 Ampere liefert, bei 9 Volt sind es 1,7 Ampere und bei 12 Volt 1,25 Ampere. Macht ergo maximal 15,3 Watt: Das kann sich sehen lassen für ein Smartphone. Damit weist der zuvor vollständig entladene Stromspeicher nach 15 Minuten bereits wieder einen Ladestand von 24 Prozent auf, nach 30 Minuten sind es 49 Prozent und nach einer Stunde 78 Prozent. Für die volle Ladung benötigt der Kandidat 102 Minuten, was in Relation zur Kapazität der Kraftzelle immerhin 28 Prozent schneller ist als üblich.

Speicher

Der Speicher kommt mit properen 64 Gigabyte, von denen nach Aktualisierung aller vorinstallierten Komponenten noch 51,9 Gigabyte netto übrigbleiben – ein gutes Ergebnis. Auch in Relation zum stolzen Preis: Trotz happiger 749 Euro bietet das U Ultra damit 27 Prozent mehr Netto-Speicher als gemeinhin üblich. Und natürlich lässt sich das Gedächtnis mittels Micro-SD-Karten erweitern, offiziell um bis zu 2 Terabyte, derzeit sind die kleinen Chips mit bis zu 512 Gigabyte verfügbar. Auch USB-On-the-Go beherrscht der Proband, mithilfe eines optionalen Adapters lassen sich also beispielsweise USB-Sticks an die USB-Buchse anschließen. Zu bedenken ist hierbei allerdings, dass es sich um einen Anschluss des neuen „Typ C“ handelt, also eventuell ein neuer Adapter fällig wird. Das gilt auch für den Fall, dass altes Zubehör wie Ladegeräte weiterhin genutzt werden soll.

Alternativ zur Micro-SD-Karte lässt sich auch eine zweite Nano-SIM in den Einschubschacht einlegen – allerdings bringt das hiesigen Kunden leider nichts, denn hierzulande wird Dual-SIM leider nicht von HTC unterstützt. In anderen Ländern ist dies aber sehr wohl der Fall – weshalb Interessenten in Erwägung ziehen könnten, ihr Ultra von außerhalb der EU zu bestellen.

Sonstiges

In 4G-Netzen empfängt das U Ultra Daten mit nominal 600 Megabit pro Sekunde – sofern das genutzte Netz am Standort und der eigene Vertrag mitspielen. Mit WLAN ac und Bluetooth 4.2 sind die aktuellsten Standards an Bord, ebenso wie NFC. Der SAR-Wert bleibt mit 0,374 Watt pro Kilogramm erfreulich niedrig. Für weitere Details zur Ausstattung sei auf die ausführliche Liste auf der letzten Seite eines jeden Tests hingewiesen!

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