Multimedia: Flaggschiff-Qualität

Review of: HTC U Ultra
Test:
Lutz Herkner

Reviewed by:
Rating:
4
On 16. März 2017
Last modified:16. März 2017

Summary:

Das HTC U Ultra bietet mit 5,7-Zoll-Display, zweitem Touchscreen, Kamera mit 12 Millionen Ultrapixel, Top-Prozessor und Android 7 eine Menge. Der Test.

HTC U Ultra

Foto: mobiwatch

Foto

In Sachen Hardware bleibt HTC seinem Konzept treu, auf Klasse statt Masse zu setzen. Also nicht immer mehr Megapixel durch den Marketing-Fleischwolf zu drehen, sondern auf qualitativ hochwertige Sensoren mit großen Dioden, die dadurch mehr Licht einfangen, weshalb die Signale weniger kräftig verstärkt werden müssen, was wiederum das Bildrauschen minimiert. Dabei hilft das ebenfalls Lichtstarke Objektiv mit einem Blendenwert von guten f 1,8. Im Fall des U Ultra betragen die Fotos 12,59 Megapixel, wobei jedes Pixel auf dem Sensor laut HTC 1,55 Mikrometer groß sein soll. So wie beim Google Pixel und Pixel XL beispielsweise. Dem Autofokus steht neben Kontrast- und Phasenabgleich für den Nahbereich auch ein Laser zum schnellen und präzisen Scharfstellen zur Verfügung. Wird letzterer zum Beispiel durch einen Finger verdeckt, meldet sich das Telefon mit einem entsprechenden Warnhinweis. Die Kamera ragt zwar ein ganzes Stück aus dem Rücken heraus, ist aber sowohl durch Saphirglas als auch durch einen leicht überstehenden Metallrand geschützt.

Kamera-UI

Die Kamera-App haben die Taiwaner hingegen erheblich aufgeräumt: Auf der Oberfläche liegen neben Auslöser, Foto-Video-Umschalter und Front-Rück-Selektor nun lediglich noch Blitz und HDR, der Rest verbirgt sich hinter zwei Strichen, welche andeuten, dass vom linken oder im Hochformat vom oberen Bildrand mehr Details per Wischgeste eingeblendet werden können. Dort finden sich nun Programm-Modi wie Panorama, der „Pro“-Modus mit manuellen Justierungen und RAW-Fotos oder auch Hyperlapse und Selfie-Panorama. Zudem wurden die Einstellungen ganz am Ende dieser Liste deutlich kürzer und dürften nun allenfalls einmalig zu Beginn benötigt werden. Denn Dinge wie die Einstellung der Auflösung wurden nun vorverlagert und tauchen gleich mit auf, wenn man die Modi-Ansicht öffnet, und zwar abhängig vom gewählten Modus. So ganz ausgereift ist die Nutzerführung hier aber noch nicht, denn erstens klappt das Fenster nach dem Tipp auf einen Modus wieder zu – will man etwa bei Fotos Einstellungen wie Format, Auflösung oder Timer anpassen, muss man erneut die Seitenleiste öffnen. Format und Auflösung lassen sich hier nur gekoppelt und durch wiederholtes Tippen auf das entsprechende Icon ändern, namentlich von 4:3 mit 12 Megapixel zu 1:1 mit 9 Megapixel, zu 16:9 mit 9 Megapixel, zu 16:9 mit 4 Megapixel und zu 16:9 mit 2 Megapixel. Beim „Pro“-Modus ist zudem die Schrift enorm dünn und klein, die innerhalb des Format-Icons „RAW“ oder „JPG“ anzeigt, sodass diese etwa in hellen Umgebungen kaum mehr erkennbar ist. All das ginge durchaus komfortabler!

Font-Kamera

Auf der Front müssen Anwender zudem beachten, dass sich die maximale Auflösung von 16,28 Megapixel im Format 4:3 von der Einstellung 4:3 mit 4,06 Ultrapixel erheblich unterscheidet. Während letztere zwar bei weniger als optimalen Lichtbedingungen zu besseren Resultaten führen, eignen sich erstere besser, wenn man später einen Ausschnitt zu verwenden gedenkt. Außerdem fehlt beim U Ultra der Autofokus und der optische Bildstabilisator („OIS“) des HTC 10 – auch wenn das Flaggschiff mit einer Preisempfehlung von 679 statt 749 Euro sogar günstiger startete; inzwischen ist das HTC 10 sogar ab rund 480 Euro zu haben. Beim U Ultra kommen auf der Front stattdessen lediglich ein Fest-Fokus und Auto-HDR zum Einsatz. Der Blendenwert beträgt hier etwas schwächere aber immer noch akzeptable f 2,0.

Bildqualität

Zum Test wird wie immer die Vollautomatik bei maximaler Auflösung gewählt. Hier liefert die Hauptkamera des U Ultra bei guten Lichtverhältnissen erfreulich scharfe Fotos. Im Vergleich zum Samsung Galaxy S7 fällt aber auf, dass die Lichtstärke nicht ganz an die des Samsung heranreicht: Man achte im folgenden Vergleich bei jeweils 200 Prozent beispielsweise auf den Turm des Deutschen Museums am linken Bildrand oder die rechte Seite des Mobilfunkmasten knapp links der Bildmitte:

HTC U Ultra Vergleich 1

Foto: mobiwatch

Bei der nächsten Aufnahme mit der Sonne auf der 10-Uhr-Position sind gleich zwei Aspekte zu beobachten: Details gehen auf dem HTC links mehr unter als beim Samsung rechts, welches dafür aber erheblich körniger wirkt. Und zweitens bleiben die Wolken beim HTC weitgehend erhalten, während das Samsung so weit aufdreht, dass primär nur noch eine weiße Fläche übrigbleibt:

HTC U Ultra Vergleich 2

Foto: mobiwatch

Auch ohne Vergrößerung fallen die Unterschiede auf, wie folgendes Foto in Originalgröße, aufgenommen aus rund einem Meter, eindeutig belegt:

HTC U Ultra Vergleich 3

Foto: mobiwatch

Bei mittleren Lichtbedingungen wie etwa in geschlossenen Räumen macht sich bei beiden Kontrahenten der optische Bildstabilisator positiv bemerkbar. Frei von Bildrauschen sind aber beide keineswegs, wobei dem Samsung rechts ISO 1250 ausreicht, während das HTC rechts auf ISO 3200 hoch geht – beide haben mit 1/7 Sekunde belichtet. Darüber hinaus wird die höhere Schärfe des S7 deutlich:

HTC U Ultra Vergleich 4

Foto: mobiwatch

Je dunkler es wird, desto klarer wird der Vorsprung des S7, wie man auf dem folgenden Vergleich bei 100 Lux erkennen kann, was etwa der Helligkeit einer Flurbeleuchtung entspricht:

HTC U Ultra Vergleich 5

Foto: mobiwatch

Und in der folgenden Gegenüberstellung nimmt das Licht von rund 50 auf 10 Lux nach rechts hin ab:

HTC U Ultra Vergleich 6

Foto: mobiwatch

Der LED-Blitz auf der Rückseite liefert zwar stramme 85 Lux, leuchtet aber den Nahbereich subjektiv nicht ganz so kräftig aus wie der des S7 mit seinen 84 Lux:

HTC U Ultra Vergleich 7

Foto: mobiwatch

Das dürfte daran liegen, dass die Lichttemperatur aufgrund der zweifarbigen Dual-LED wärmer ausfällt als bei der einzelnen weißen LED des S7.

Insgesamt produziert das HTC U Ultra gute Bilder mit ordentlicher Schärfe und natürlichen Farben, die Detailtreue könnte aber besser sein. Auch muss sich der Proband in puncto Lichtstärke bei mittleren und vor allem schlechten Lichtbedingungen dem Samsung Galaxy S7 geschlagen geben. Für ein hauchdünnes „Sehr gut“ reicht es unterm Strich aber noch aufgrund der guten Schärfe bei Tageslicht. Damit endet das U Ultra punktgleich mit dem HTC 10.

Video

Bewegtbilder nimmt das U Ultra maximal mit 3840 x 2160 Pixel auf, bekannt als 4K oder auch Ultra-HD („UHD“). Zudem hat HTC vier Mikrofone mit Kugel-Charakteristik verbaut, um daraus einen 360-Grad-Rundum-Ton zu generieren. Das zugehörige Icon zum Ein- und Ausschalten dieser Funktion ist auf Deutsch leider arg lang geworden, sodass davon sowohl im Hoch- als auch im Querformat lediglich „Hochaufl…endes Au…“ zu lesen ist. Positiv wiederum: Der Video-Editor funktioniert auch bei 4K-Material – mitnichten eine Selbstverständlichkeit.

Videoqualität

Bereits in Full HD (1920 x 1080 Pixel) beeindruckt die Schärfe, und dank der soliden Datenrate von 20 Megabit pro Sekunde, lediglich sehr kleinteilige Details verwaschen. Auch Kontraste, Farben und Dynamik können sich sehen lassen. In UHD legen sämtliche Parameter naturgemäß nochmal kräftig zu, und bei 56 Megabit pro Sekunde bleiben auch die allermeisten Details gut erhalten. Auch der glasklare Ton kann rundum überzeugen – sowohl mit als auch ohne „3D Audio“. Der optische Stabilisator macht ebenfalls einen guten Job. Allerdings pumpt der Autofokus gelegentlich: Nicht permanent, aber doch hin und wieder. Der Scharfsteller kann zwar durch einen Tipp auf den Touchscreen fixiert werden, zieht dann aber natürlich nicht länger automatisch nach falls sich die Entfernung zum Motiv ändert. Weshalb die Videowertung trotz des ansonsten sehr positiven Gesamteindrucks auf „ausreichend“ abgewertet werden muss.

Audio

HTC legt dem U Ultra serienmäßig den neuen „U Sonic“-Kopfhörer bei. Dieser soll einerseits das Innenohr mithilfe eines Schallimpulses ausmessen und so den Klang individuell anpassen. Andererseits ist auf jeder Seite der In-Ear-Stöpsel ein Mikrofon verbaut, das Umgebungsgeräusche wahrnimmt: Das soll ebenfalls Einfluss auf die Klangoptimierung haben, darf aber nicht mit Gegenschall-Kopfhörern verwechselt werden. Der Messvorgang dauert lediglich sieben Sekunden, weshalb man das auch jederzeit beim Wechsel des Standortes und mithin einer Änderung der Umgebungsakustik durchführen kann. Das Ergebnis produziert eindrucksvolle Bässe, die dabei recht präzise bleiben anstatt stupide zu brummen. Doch das hat dann rein gar nichts mehr mit einem natürlichen Sound zu tun, also mit dem, was der Künstler ursprünglich im Sinn hatte. Hinzu kommt, dass wie bei quasi allen Headsets der Unter- und Mittelklasse die Höhen keinen wirklich ausufernden Frequenzgang vorweisen können und es deshalb an Spritzigkeit fehlt.

Klangqualität

Deshalb werden die Hörtests auch mit den Ultimate Ears Reference Monitors durchgeführt, deren dreifache Balanced-armature-Treiber einen sauberen, linearen Studio-Sound reproduzieren. Allerdings müssen diese über einen USB-C-Adapter angestöpselt werden, weil das U Ultra nicht die bislang übliche Klinkenbuchse zur Verfügung stellt. Das scheint sich leider auch in der Android-Welt um sich zu greifen. Auch legt HTC (anders als Motorola beim Moto Z) keinen Adapter bei: Wer seine eigenen Kabel-Kopfhörer verwenden möchte, muss daher selbst ein entsprechendes Kabel auftreiben. Und das erweist sich als gar nicht so einfach, denn proprietäre Adapter funktionieren am U Ultra nicht, Kunden müssen daher den Original-HTC-Adapter mit bestellen.

An den Reference Monitors produziert das U Ultra einen enorm kräftigen Klang mit spritzigen und kristallklaren Höhen sowie wuchtigen, doch superpräzisen Bässen. Für diesen natürlichen, ungemein lebendigen Sound gibt es natürlich ein glattes „Sehr gut“. Top!

Lautsprecher

Was die Lautsprecher betrifft, so handelt es sich um eine Art Semi-Stereo: Ein kräftiger sitzt in der Unterkante und ein etwas dünnerer oben auf der Front, der bei Telefonaten als „Hörmuschel“ dient. Zusammen erzeugen die beiden einen dezenten stereoskopischen Effekt, doch aufgrund der unterschiedlichen Lautstärke, Frequenzgänge und Abstrahlrichtungen lässt sich das nicht mit früheren HTC-Modellen vergleichen, die noch zwei echte, gleichwertige Front-Lautsprecher aufwiesen. Wer sich selbst einen Eindruck vom Klang verschaffen möchte, kann dies im folgenden Sound-Check tun:

Sound-Check:

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