Windows Phone 8

Quelle: Microsoft

Am Montagabend fand der offizielle Stapellauf von Windows Phone 8 statt, jetzt können endlich die Smartphones der nächsten Windows-Generation in den Verkauf gehen. Und mit dem HTC 8X sowie dem Nokia Lumia 920stehen ja auch schon die ersten Kracher in den Startlöchern, die gleich Anfang November in den Handel kommen sollen. Damit haben Microsoft und Nokia gute Chancen, Marktanteile zurück zu erobern. Doch was genau bringt nun Windows Phone 8?

Zunächst einmal neue Hardware-Möglichkeiten, die bei den Vorgängerversionen noch sehr eingeschränkt waren. So unterstützt Windows Phone 8 nicht nur Mehrkern-Prozessoren, sondern auch einen Speicherkarten-Slot: Das interne Gedächtnis kann künftig also bei Bedarf nachgerüstet werden. Darüber hinaus bieten Micro-SD-Karten auch die Möglichkeit, schnell und unkompliziert riesige Datenmengen auszutauschen respektive dem Smartphone zugänglich zu machen. Darüber hinaus sind nun auch die Display-Auflösungen 720 x 1280 und 768 x 1280 Pixel möglich. Das ist derzeit State of the Art – die Frage ist nur, wie lange noch und ob Microsoft künftig mit den Auflösungen auf der Höhe des Geschehens bleibt. Aus diesen Gründen ist Windows Phone 8 auch nicht mit vorhandenen Altgeräten kompatibel: Zu groß sind die Hardware-Unterschiede. Für diese Generation wird es aber ein Windows Phone 7.8 geben, das einen Teil der neuen Funktionen von Windows Phone 8 enthalten wird.

Vor allem aber basiert Windows Phone 8 auf dem selben Systemkern wie Windows 8 für Desktops, Notebooks und Tablets, was die Betriebssysteme nicht nur eng verzahnt, sondern zudem Entwicklern die schnelle Portierung ihrer Software ermöglicht. Sprich: Der Windows Phone Store, wie der frühere Marketplace inzwischen ja heißt, dürfte mit Windows Phone 8 einen Aufschwung erleben. Mehr als 113.000 Apps sollen dort derzeit zum Download bereitstehen. Zum Vergleich: Android hat gerade die Grenze von 675.000 Apps überquert, Apples iOS liegt bei mehr als 700.000 Apps. Und das ist dann auch die größte Hürde, die Microsoft mit der Plattform Windows Phone noch nehmen muss: Kunden kaufen nicht mehr nur ein Smartphone, sie entscheiden sich für ein Ökosystem. Keine Apps, kein Smartphonekauf. Da jedoch jeder Kunde auf unterschiedliche Anwendungen Wert legt, sollte jeder Interessent vorab im Windows Phone Store prüfen, ob seine Lieblings-Apps bereits dabei sind. Standard-Anwendungen wie WhatsApp, Amazons Kindle Reader oder der DB Navigator der Deutschen Bahn sind selbstverständlich verfügbar, doch bereits bei Dropbox wird es eng: Da gibt es bislang lediglich einige Viewer von Drittanbietern, keine echte App mit vollem Funktionsumfang. Microsoft will natürlich lieber seinen eigenen Cloud-Speicher SkyDrive vermarkten (siehe unten). Auch den Chrome-Browser von Erzkonkurrent Google wird man vergebens auf Windows Phone suchen.

Wer aber die für ihn entscheidenden Apps vorfindet, kann getrost auf die neue Plattform umsteigen, denn die Oberfläche ist genial einfach, intuitiv, übersichtlich und ansprechend – war sie schon immer. Daran ändert auch Windows Phone 8 nichts, denn optisch gibt es lediglich eine Neuerung: Die Kacheln des Startbildschirms sind nun in drei verschiedenen Größen arrangierbar. Neben der bisherigen halben Bildschirmbreite stehen nun auch die volle Breitseite sowie eine Viertelbreite zur Auswahl. Das sieht nicht nur besser aus, sondern verleiht den Verknüpfungen und Widgets eine Wertung. Zudem stehen nun jede Menge Farben zur Auswahl, nicht nur eine Handvoll.

Zu den weiteren Funktionen von Windows Phone 8 gehören unter anderem:

  • NFC: Über den Ultranahfunk können Daten wie Kontakte oder Fotos übertragen werden, indem das Telefon gegen ein anderes NFC-Gerät gehalten wird. Ob dies auch mit NFC-Telefonen unter anderen Betriebssystemen wie Android möglich sein wird, muss sich noch zeigen.
  • Wallet: Die elektronische Geldbörse soll das kontaktlose Bezahlen ermöglichen und in einem geschützten Bereich sämtliche Zahlungsinformationen etwa von Kreditkarten oder Kundenkarten speichern. Genauere Angaben zu Kooperationspartnern und Akzeptanzstellen hat Microsoft bisher noch nicht vorgelegt.
  • Karten: Die Nokia-Navigation wurde in das allgemeine Windows Phone 8 überführt und steht somit auch anderen Herstellern zur Verfügung. Diese beinhaltet unter anderem eine akustische Turn-by-Turn-Routenführung („In 100 Metern rechts abbiegen!“) sowie die Funktion „Meine Strecken“, die selbständig wiederkehrende Routen erkennt und den Nutzer rechtzeitig vorwarnt, wann der losfahren muss – unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrslage. Sollte also eine 30 Minuten längere Fahrzeit zu erwarten sein, würde das Telefon eine halbe Stunde früher Alarm schlagen.
  • Xbox Music: Spiele waren ja von Beginn an Bestandteil von Windows Phone, nun kommt der neue Musikdienst samt Streaming hinzu. Geräteübergreifend steht eine Bibliothek aus eigenen Dateien, käuflichen Songs und Gratis-Musik zum Streaming zur Verfügung, mehr als 30 Millionen Titel sollen zur Auswahl bereitstehen. Definitiv eine Konkurrenz zu Spotify & Co. Gegen Zahlung einer Gebühr kann die eingeblendete Werbung unterdrückt werden – auch das ist bei der Konkurrenz nicht anders.
  • Sky Drive: Der Cloud-Speicher von Microsoft wurde fest in das System integriert, sodass die Synchronisierung sämtlicher Dateien nahtlos im Hintergrund erfolgen kann. Die Backup-Funktion sorgt überdies für die Möglichkeit, beliebige Inhalte zu speichern und bei Bedarf wiederherzustellen.
  • Internet Explorer 10 Mobile: Der neue Microsoft-Browser unterstützt HTML 5 sowie Grafik mit voller Hardware-Beschleunigung. Plug-Ins werden nicht zugelassen und SmartScreen-Filter schützen vor Phishing Attacken. Zudem können Inhalte direkt aus dem Browser heraus geteilt werden. Auch die Bedien-Oberfläche wurde optimiert.
  • Word Flow: Die Software soll selbständig lernen, welche Begriffe und Formulierungen der Nutzer häufig verwendet und daher bereits im Voraus das nächste Wort anbieten, um den Tippaufwand zu reduzieren. Zudem ist es nun möglich, komplette E-Mails zu diktieren.
  • Lenses: In Instagram-Manier lassen sich Aufnahmen jetzt direkt in der Kamera-App filtern und mittels Effekten verfremden.
  • Rooms: Einerseits erinnert diese Funktion an die Kreise von Google+, geht andererseits aber weit darüber hinaus. So können in den „Räumen“ nahezu beliebige Daten mit Freunden geteilt werden, etwa Fotos, Nachrichten, Notizen und sogar Kalender. Einige dieser Informationen sollen sich auch mit Freunden teilen lassen, die kein Windows Phone besitzen.
  • Kid’s Corner: Microsoft vergleicht die Kindersicherung mit einem „Handy im Handy“, bei dem die Eltern selektieren können, auf welche Apps und Funktionen der Nachwuchs Zugriff haben soll. Dennoch können die Kleinen ihre eigene Oberfläche kreieren und die Startseite personalisieren.
  • Updates: Aktualisierungen können nun auch „over the air“ durchgeführt werden. Die Koppelung an den PC via Zune-Software ist also nicht länger obligatorisch und wird ersetzt durch die …
  • Windows Phone App: Zur Verwaltung des Smartphones per Desktop gibt es drei verschiedene Programme. In Windows 8 ist die App bereits enthalten und wird automatisch aktiv, sobald das Handy per USB mit dem PC verbunden wird. Für Windows 7 oder im regulären Desktop-Modus von Windows 8 gibt es eine separate Software, die dritte ist für Mac. Über diese App können nicht nur beliebige Daten zwischen Rechner und Telefon ausgetauscht, sondern auch Einstellungen vorgenommen und die Inhalte des Smartphones durchsucht werden.
    microsoft.com
Video: Erster Eindruck von Windows Phone 8
Media-Markt bewirbt Nexus 7 mit 32 Gigabyte Speicher für 249 Euro
Tagged with →  

Schreibe einen Kommentar